Durchschnittlichen ETF-Kaufpreis berechnen: mit Sparrate und Nachkäufen
Deinen durchschnittlichen ETF-Kaufpreis berechnest Du, indem Du die gesamten Kaufbeträge durch die insgesamt gekauften Anteile teilst. Die drei Kurse Deiner letzten Käufe einfach zu addieren und durch drei zu teilen, reicht dafür nicht. Entscheidend ist, wie viele Anteile Du jeweils zu welchem Preis gekauft hast.
Das gilt auch, wenn Du Deine Sparrate verändert oder zwischendurch einen größeren Betrag investiert hast. Ich zeige Dir die Rechnung mit ungleichen Kaufbeträgen und anschließend mit drei längeren Kursreihen. Damit kannst Du eine Depotanzeige anhand Deiner Abrechnungen nachvollziehen.
Durchschnittlichen ETF-Kaufpreis berechnen: die Formel
Für die erste Rechnung betrachte ich nur Käufe derselben Anlage in Euro, ohne Verkäufe oder Veränderungen der Stückzahl durch Kapitalmaßnahmen. Gebühren rechne ich im nächsten Schritt separat. Die Teilanteile im Beispiel sind möglich; es handelt sich um erfundene Käufe.
| Größe | Rechnung und Bedeutung |
|---|---|
| Durchschnittlicher Kaufpreis | Summe der Kaufbeträge ÷ Summe der gekauften Anteile. Was hast Du je Anteil bezahlt? |
| Einfacher Kursdurchschnitt | Summe der beobachteten Kurse ÷ Zahl der Kurse. Jeder Kaufzeitpunkt zählt gleich stark. |
| Einstand einschließlich Kaufgebühren | Kaufbeträge plus Kaufgebühren ÷ gekaufte Anteile. Welche Ausgabe entfällt je Anteil? |
Mathematisch entspricht der durchschnittliche Kaufpreis einem mit den Stückzahlen gewichteten Mittelwert. Vier Anteile zu 75 Euro zählen darin doppelt so stark wie zwei Anteile zu 50 Euro. Die deutschsprachige DEGIRO-Hilfe zum Einstandskurs erläutert diese Rechnung aus Kaufbeträgen und Stückzahl. Dort werden Transaktionsgebühren ausdrücklich nicht einbezogen.
Ein Beispiel mit drei verschiedenen Kaufbeträgen
Du investierst zuerst 100 Euro zu einem Kurs von 50 Euro, dann 300 Euro zu 75 Euro und schließlich 120 Euro zu 40 Euro. Aus jeder Abrechnung brauchst Du den tatsächlichen Kaufbetrag und die gekaufte Stückzahl.
| Kauf | Kaufbetrag | Preis je Anteil | Anteile |
|---|---|---|---|
| 1 | 100,00 € | 50,00 € | 2 |
| 2 | 300,00 € | 75,00 € | 4 |
| 3 | 120,00 € | 40,00 € | 3 |
| Summe | 520,00 € | – | 9 |
520 Euro ÷ 9 Anteile = rund 57,78 Euro je Anteil. Das einfache Mittel der drei Kurse wäre dagegen (50 + 75 + 40) ÷ 3 = 55 Euro. Es unterschätzt hier Deinen Kaufpreis, weil Du beim teuersten Kauf vier Anteile erworben hast.

Ein Durchschnittskaufpreis liegt bei wechselnden Kaufbeträgen also keineswegs immer unter dem einfachen Kursdurchschnitt. Die Rechnung folgt Deinen Käufen.
Was ändern die Kaufgebühren?
Angenommen, jeder der drei Käufe kostet zusätzlich einen Euro. Die neun Anteile bleiben dieselben; Deine Gesamtausgabe steigt von 520 auf 523 Euro. Einschließlich dieser Gebühren beträgt der rechnerische Einstand 523 ÷ 9 = rund 58,11 Euro je Anteil.
Für Deinen eigenen Vergleich solltest Du deshalb zuerst nachsehen, was die Depotanzeige enthält. Die Commerzbank erläutert in ihrer Depot-Hilfe, dass ihr Einstandskurs Kaufspesen einbezieht. Derselbe Begriff kann je nach Darstellung also eine andere Kostenbasis haben. Ein abweichender Wert beweist noch keinen Rechenfehler.
| Berechnung | Ergebnis je Anteil |
|---|---|
| Einfaches Mittel der drei Kurse | 55,00 € |
| Tatsächliche Kaufbeträge ÷ neun Anteile | 57,78 € |
| Kaufbeträge plus drei Euro Gebühren ÷ neun Anteile | 58,11 € |
Wird eine Gebühr von Deiner Sparrate abgezogen, ist der angelegte Kaufbetrag entsprechend kleiner. Nutze dann die tatsächlichen Werte aus der Abrechnung und addiere die Gebühr für Deine Gesamtausgabe. Teile nicht die volle Sparrate durch den Kurs, wenn ein Teil davon gar keine Anteile gekauft hat.
Die Ausführung zum tatsächlichen Kaufkurs berücksichtigt bereits, zu welchem Preis Du gehandelt hast. Für diese Rechnung addierst Du keine zusätzlich geschätzte Handelsspanne zum abgerechneten Betrag. Die Gebühren verschiedener Sparpläne kannst Du anschließend mit meinem ETF-Sparplan-Kostencheck vergleichen.
Drei Kursreihen: je zehn Käufe zu 100 Euro
Bei einem festen Geldbetrag kaufst Du zum niedrigeren Kurs mehr Anteile. Diesen Zusammenhang bezeichnet man als Cost-Average-Effekt. Ich rechne drei frei gewählte Kursreihen mit jeweils zehn Käufen zu 100 Euro durch. Gebühren, Ausschüttungen und Steuern bleiben außen vor; Teilanteile werden vor der Summierung nicht gerundet.
| Kauf | Reihe 1 | Reihe 2 | Reihe 3 |
|---|---|---|---|
| 1 | 71 € | 118 € | 72 € |
| 2 | 53 € | 82 € | 88 € |
| 3 | 74 € | 71 € | 101 € |
| 4 | 133 € | 127 € | 140 € |
| 5 | 54 € | 64 € | 86 € |
| 6 | 94 € | 85 € | 64 € |
| 7 | 96 € | 89 € | 79 € |
| 8 | 143 € | 51 € | 136 € |
| 9 | 128 € | 78 € | 81 € |
| 10 | 127 € | 51 € | 88 € |
Für jeden Kauf teile ich 100 Euro durch den jeweiligen Kurs. In Reihe 1 ergibt der erste Kauf beispielsweise 100 ÷ 71 = rund 1,40845 Anteile. Nach zehn Käufen summiere ich alle ungerundeten Stückzahlen und teile den Einsatz von 1.000 Euro durch diese Summe.

| Reihe | Anteile, gerundet | Kaufdurchschnitt | Einfaches Kursmittel |
|---|---|---|---|
| 1 | 11,623775 | 86,03 € | 97,30 € |
| 2 | 13,329008 | 75,02 € | 81,60 € |
| 3 | 11,326976 | 88,28 € | 93,50 € |
Diese Ergebnisse beantworten die Kaufpreisfrage. Ob eine Reihe im Gewinn liegt, kannst Du daraus allein nicht ablesen: Dafür fehlt der spätere Bewertungskurs. Auch einen Renditevorteil gegenüber einer sofortigen Einmalanlage beweisen sie nicht. Für diese andere Entscheidung findest Du einen Vergleich mit gleichem Ausgangsbudget in meinem Artikel Sparplan oder Einmalanlage.
So prüfst Du Deine eigenen Abrechnungen
Übertrage Datum, Kaufbetrag, Stückzahl und Kaufgebühr für jede Ausführung in eine Tabelle. Verwende die gebuchte Stückzahl mit allen verfügbaren Nachkommastellen. Rundest Du jeden Einzelkauf zuerst auf zwei Stellen, verschiebst Du die Summe und damit Deinen Durchschnitt.
| Prüfpunkt | Deine Kontrolle |
|---|---|
| Identische Anlage | Gleiche ISIN und gleiche Rechenwährung? |
| Vollständige Käufe | Stimmen Kaufbeträge und Stückzahlen mit den Abrechnungen überein? |
| Kostenbasis | Enthält die Anzeige Gebühren, und enthält Deine Vergleichsrechnung dieselben Gebühren? |
| Veränderter Bestand | Gab es Verkäufe, einen Übertrag oder eine Kapitalmaßnahme? Dann reichen sämtliche ursprünglichen Käufe allein nicht zur Prüfung des heutigen Bestands. |
In einer Tabellenkalkulation kannst Du zunächst Kaufbeträge und Stückzahlen getrennt summieren. Stehen die Beträge in B2 bis B11 und die Anteile in D2 bis D11, lautet die Rechnung =SUMME(B2:B11)/SUMME(D2:D11). Ergänze Kaufgebühren im Zähler, wenn Du den Einstand einschließlich dieser Kosten prüfen möchtest.
Beginne mit einer Position, für die Du alle Abrechnungen hast. Notiere neben dem Ergebnis ausdrücklich „ohne Kaufgebühren“ oder „einschließlich Kaufgebühren“. So weißt Du beim nächsten Nachkauf noch, welche Zahl Du tatsächlich vergleichst.

