Was ist Stagflation?

Schiff in Rauher See als Sinnbild dessen, was eine Stagflation für die Wirtschaft bedeutet.Stagflation ist ein seltenes Phänomen, bei dem die Preise steigen, die Wirtschaft aber stagniert oder sogar schrumpft. Dies führt zu einer Mischung aus hoher Arbeitslosigkeit und hohen Preisen, was für die meisten Volkswirtschaften schwer zu bewältigen ist.

In diesem Artikel möchte ich das Phänomen Stagflation etwas genauer betrachten und mir mit dir die Ursachen, Auswirkungen und Folgen einer Stagflation ansehen.

Was ist Stagflation?

Stagflation ist eine Kombination aus steigenden Preisen und stagnierenden oder rückläufigen Wirtschaftsaktivitäten.

Dieses Phänomen ist relativ selten und tritt normalerweise in Zeiten hoher Inflation und hoher Arbeitslosigkeit auf.

Die Stagflation kann sich aufgrund von Angebots- oder Nachfrageschocks entwickeln, aber auch durch strukturelle Faktoren wie hohe Löhne oder Steuern.

Ein solcher Angebotsschock kann zum Beispiel auftreten, wenn die Produktionskosten steigen, was zu höheren Preisen führt.

Ein Nachfrageschock wiederum kann zum Beispiel auftreten, wenn die Nachfrage nach Gütern und Dienstleistungen sinkt.

Stagflation an sich ist ein sehr seltenes Phänomen, weil es schwierig ist, eine hohe Inflation zu erreichen, während gleichzeitig die Nachfrage nach Gütern und Dienstleistungen niedrig ist. Die Stagflation ist ein Problem für Regierungen und Notenbanken, weil sie schwer zu bekämpfen ist.

Was ist der Unterschied zwischen Stagflation, Inflation und Deflation?

Stagflation ist eine Kombination aus steigenden Preisen und stagnierenden oder rückläufigen Wirtschaftsaktivitäten.

Inflation ist ein Anstieg der allgemeinen Preise, während Deflation ein allgemeiner Preisrückgang ist.

Wann gab es die letzte Stagflation in Deutschland?

Die letzte Stagflation in Deutschland gab es in den 1970er Jahren. Sie wurde damals durch die Ölpreiskrise ausgelöst. Damals stieg der Rohölpreis von (in heutiger Kaufkraft) $20 pro Barrel auf über $100 pro Barrel an.

Dieser schnelle und heftige Preisanstieg sorge für schwere Rezessionen in vielen Industrieländern.

Durch einen Angebotsschock (der Preis für Rohöl hatte sich deutlich verteuert) war der Grundstein für eine Stagflation (oder Inflation) gelegt.

Durch die Rezession, die aufgrund des Ölpreisschocks folge, war nun aber auch der zweite Baustein für eine Stagflation vorhanden: eine rückläufige Wirtschaftsleistung.

In Summe hat der Ölpreisschock von 1970 somit genau zu der klassischen Definition einer Stagflation geführt: einer Kombination aus steigenden Preisen (durch die Verteuerung des Öl) auf der einen Seite und stagnierenden oder rückläufigen Wirtschaftsaktivitäten (durch die Rezession) auf der anderen Seite.

Und genau vor diesem gefährlichen Szenario hat der aktuelle Wirtschaftsminister Christian Lindner erst im Mai für Deutschland gewarnt.

Durch die Ukrainekrise und die massive Geldmengenauswertung der letzten Jahre liegt die Inflationsrate in Deutschland im Juni 2022 bei 7,6%, während die Wirtschaft im ersten Quartal 2022 nur um 3,8% gegenüber dem Vorjahresquartal oder 0,2% gegenüber dem vierten Quartal 2021 gewachsen ist.

Schaut man zusätzlich auf den aktuellen Gaspreis in Deutschland, so finden sich auch hier weitere Parallelen zur Ölkrise 1970. So ist der Gaspreis (Dutch TTF) von seinem langfristigen Wert von ca. 15€/MWh in der Spitze auf über 200€/MWh verzehnfacht.

Wie wirkt sich Stagflation auf Aktien und andere Anlageklassen aus?

Stagflation hat normalerweise negative Auswirkungen auf die Aktienmärkte, da Unternehmen unter den steigenden Kosten leiden und Investoren Angst vor einer Rezession haben.

Aktienkurse fallen normalerweise in einer Stagflation, da die Margen der Unternehmen bei einer Stagflation stark leiden und die Zukunftsaussichten oft sehr schlecht sind.

Aufgrund der schwachen Wirtschaft können Unternehmen die gestiegenen Kosten der Inflation gerade in diesem Umfeld oft nicht an ihre Kunden weitergeben.

Was sind die Ursachen für eine Stagflation?

Die Stagflation kann durch Angebots- oder Nachfrageschocks entstehen.

Angebotsschocks sind plötzliche Preiserhöhungen für Rohstoffe oder Energie, die die Produktionskosten erhöhen.

Nachfrageschocks sind plötzliche Nachfrage-Ausbrüche nach bestimmten Gütern oder Dienstleistungen, was zu Preissteigerungen führt.

Die Stagflation kann aber auch durch strukturelle Faktoren wie hohe Löhne oder Steuern entstehen.

Was sind die Auswirkungen einer Stagflation?

Stagflation führt meist zu einer Mischung aus hoher Arbeitslosigkeit und hohen Preisen, was für die meisten Volkswirtschaften schwer zu bewältigen ist.

Die Stagflation verringert die Kaufkraft der Menschen und verursacht Unternehmenspleiten.

Im Extremfall kann eine Stagflation auch zu sozialem Unfrieden führen, da Menschen mit den Lebensbedingungen unzufrieden sind und merklich verarmen.

Doppelter Hammer für die Wirtschaft: Stagflation bedeutet, dass die Preise aufgrund von Inflation steigen, während die Wirtschaft schwach bleibt.
Doppelter Hammer für die Wirtschaft: Stagflation bedeutet, dass die Preise aufgrund von Inflation steigen, während die Wirtschaft schwach bleibt.

Auf der einen Seite verlieren die Menschen durch die hohe Inflation an Kaufkraft und können sich Monat für Monat weniger leisten.

Auf der anderen Seite geht es der Wirtschaft schlecht und die Arbeitslosigkeit steigt, wodurch die Menschen auch nominal weniger Geld zur Verfügung haben.

Bei einer Stagflation verarmen die Menschen im Land also doppelt: Ihr Einkommen und ihre Jobsicherheit schwindet, und gleichzeitig steigen die Preise für Güter des täglichen Bedarfs.

Fazit

Stagflation ist ein seltenes Phänomen, das negative Auswirkungen auf die Wirtschaft hat.

Oft entsteht eine Stagflation durch Angebots- oder Nachfrageschocks.

Die Folgen der Stagflation sind hohe Arbeitslosigkeit und steigende Preise, was für die meisten Volkswirtschaften schwer zu bewältigen ist.

Auch für Investoren ist eine Stagflation eine schwere Zeit, da die Unternehmen auf der einen Seite gestiegene Kosten haben, auf der anderen Seite die Preise aber nicht erhöhen können, weil die gesamte Wirtschaft schwach ist.

In der Folge reduzieren sich die Margen und die Gewinne der Unternehmen, was bedeutet, dass die Aktienkurse fallen und die Ausschüttungen der Unternehmen sinken.

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