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ETF kaufen: Limit-Order oder Market-Order?

Mit einer Limit-Order legst Du beim ETF-Kauf den höchsten Preis je Anteil fest. Eine Market-Order enthält diese Preisgrenze nicht. Dafür kann Deine Limit-Order offen bleiben oder nur teilweise ausgeführt werden. Genau diesen Unterschied solltest Du verstehen, bevor Du den Kauf bestätigst.

Ich rechne beide Aufträge am selben erfundenen Orderbuch durch. Das Beispiel zeigt Dir, warum der angezeigte Kaufkurs nicht automatisch für alle gewünschten Anteile reicht – und warum ein Limit kein fester Kaufpreis ist.

Market-Order und Limit-Order: Was gibst Du vor?

Bei einer Market-Order erteilst Du einen Kaufauftrag ohne Preislimit. Bei einer Kauf-Limit-Order nennst Du dagegen einen Höchstpreis. Eine Ausführung zu einem günstigeren Preis ist ebenfalls möglich. Die Deutsche Börse erklärt diese beiden Ordertypen und ihre Ausführungsbedingungen.

Die zwei Aufträge erfüllen unterschiedliche Vorgaben
Deine Vorgabe Market-Kauf Limit-Kauf
Stückzahl Du gibst sie an Du gibst sie an
Höchster Preis je Anteil Kein Preislimit im Auftrag Dein Kauf-Limit
Günstigere Ausführung Zum verfügbaren Ausführungspreis Unter dem Limit möglich
Alle Anteile sicher gekauft? Ausführung hängt vom Handel ab Nein; passende Gegenangebote nötig

Für eine Preisgrenze brauchst Du also eine Limit-Order. Dafür akzeptierst Du, dass der Kauf zu Deinen Bedingungen möglicherweise nicht zustande kommt. Ein sehr niedriges Limit macht Deinen ETF nicht billiger: Es kann einfach dafür sorgen, dass Du nichts kaufst.

Welcher Kurs zählt beim ETF-Kauf?

Im Orderbuch stehen Kaufangebote auf der Geldseite und Verkaufsangebote auf der Briefseite. Für Deinen Kauf sind die Verkaufsangebote relevant: zu welchen Preisen und für wie viele Anteile? Der letzte gehandelte Kurs sagt Dir nicht, wie viele Anteile jetzt zu diesem Preis angeboten werden. Das offene Xetra-Orderbuch erklärt Preise und Mengen auf beiden Seiten.

Mein Rechenbeispiel: Du möchtest zehn ETF-Anteile kaufen. Ich rechne Market- und Limit-Order getrennt gegen dasselbe unveränderte, erfundene Verkaufsorderbuch im fortlaufenden Handel. Es kommen keine weiteren Aufträge hinzu; zusätzliche Orderbedingungen wie „sofort oder löschen“ fehlen. Gebühren und Steuern sind nicht enthalten. Die Preise und Mengen sind keine Marktdaten.

Verfügbare Verkaufsangebote im Beispiel
Preis je Anteil Angebotene Anteile Kaufwert dieser Stufe
100,20 € 6 601,20 €
100,40 € 4 401,60 €

Der günstigste angebotene Kaufpreis beträgt 100,20 €. Zu diesem Preis stehen aber nur sechs Anteile bereit. Für alle zehn Anteile reicht die erste Stufe nicht.

Market-Order: Zehn Anteile zu zwei Preisen

Die Market-Order kauft im Beispiel zuerst die sechs Anteile zu 100,20 €. Anschließend kauft sie vier Anteile zu 100,40 €. Zusammen ergibt das 6 × 100,20 € + 4 × 100,40 € = 1.002,80 €. Der durchschnittliche Kaufpreis ist 100,28 € je Anteil.

Du hast die gewünschten zehn Anteile. Du hast sie aber nicht alle zum zuerst angezeigten Briefkurs von 100,20 € gekauft. Bei mehreren Preisstufen zählt die gesamte Ausführung, nicht nur die erste Kursanzeige. Die Xetra-Dokumentation zum fortlaufenden Handel erklärt die Ausführung gegen mehrere Gegenangebote zu unterschiedlichen Preisen.

Gleicher Auftrag über zehn Anteile: Market kauft im erfundenen Beispiel zehn für 1.002,80 Euro; Limit 100,25 Euro kauft sechs für 601,20 Euro, vier bleiben offen.
Beide Aufträge starten mit zehn gewünschten Anteilen. Beim Limit bleibt ein Teil offen; die kleinere Kaufsumme ist deshalb kein Preisvorteil für dieselbe Menge.

Limit-Order: 100,25 € sind die Grenze, nicht der Kaufpreis

Mit einem Kauf-Limit von 100,25 € passen die sechs Anteile zu 100,20 € in Deine Vorgabe. Die vier Anteile zu 100,40 € sind zu teuer. Deshalb kaufst Du im Beispiel sechs Anteile für 601,20 €. Die übrigen vier bleiben offen, solange der Auftrag gültig ist und keine passenden Angebote eintreffen.

Du zahlst für die gekauften Anteile 100,20 €, nicht automatisch 100,25 €. Das Limit ist der höchste erlaubte Preis je Anteil. Es ist weder ein Wunschpreis, der sich sicher durchsetzt, noch ein Gesamtbudget einschließlich Gebühren.

Was drei unterschiedliche Limits im selben Orderbuch bewirken
Kauf-Limit je Anteil Gekauft / offen Kaufwert
100,00 € 0 / 10 0,00 €
100,25 € 6 / 4 601,20 €
100,50 € 10 / 0 1.002,80 €

Auch mit dem höheren Limit von 100,50 € zahlst Du in diesem unveränderten Beispiel nicht 100,50 € für jeden Anteil. Die vorhandenen Angebote reichen für einen Durchschnittspreis von 100,28 €. Das höhere Limit lässt diese Angebote zu; es zwingt Dich nicht, den Grenzpreis zu bezahlen.

Was bedeutet „teilweise ausgeführt“?

„Teilweise ausgeführt“ heißt: Ein Teil Deiner Stückzahl wurde gekauft, der Rest noch nicht. Die Deutsche Börse erläutert Teilausführungen und die unterschiedlichen Gebührenmodelle der Anbieter. Prüfe bei Deinem Broker, ob Gebühren pro Auftrag oder pro Teilausführung entstehen.

Im Beispiel solltest Du nach dem Kauf nicht sofort noch einmal zehn Anteile bestellen. Sechs sind bereits gekauft und vier können im bestehenden Auftrag noch folgen. Kontrolliere zuerst die ausgeführte Menge und die offene Restmenge.

Die Auftragsübersicht richtig lesen
Status Was Du prüfst
Offen Gültigkeit, Limit und noch nicht gekaufte Stückzahl
Teilweise ausgeführt Gekaufte Menge, Ausführungspreise und offene Restmenge
Vollständig ausgeführt Gesamte Menge, Abrechnung und Gebühren
Abgelaufen oder gelöscht Ob vorher bereits ein Teil ausgeführt wurde

So prüfst Du Deine ETF-Order vor dem Absenden

Stückzahl, Handelsplatz, Preislimit und Gültigkeit gehören zusammen. Die Gültigkeit bestimmt, wie lange ein offener Auftrag bestehen darf. Bei Xetra gibt es beispielsweise tagesgültige Aufträge und Aufträge bis zu einem angegebenen Börsentag; die Ordertypen-Dokumentation beschreibt die Varianten. Welche davon Du nutzen kannst, zeigt Deine Ordermaske.

ETF-Kauf prüfen: richtige Stückzahl und Handelsplatz, aktuelle Kursangaben, Kauf-Limit je Anteil, Gültigkeit und anschließend ausgeführte sowie offene Menge kontrollieren.
Ein bestätigter Auftrag ist noch keine bestätigte vollständige Ausführung. Prüfe danach den tatsächlichen Orderstatus.

Kontrolliere zunächst, dass Kennnummer und Anteilsklasse zu dem ETF passen, den Du kaufen möchtest. Wenn hier noch eine Frage offen ist, hilft Dir mein ETF-Einstieg für Anfänger.

Danach vergleichst Du die Kaufbedingungen. Mein kostenloser ETF-Spread-Vergleich zeigt Dir den Abstand zwischen Geld- und Briefkurs und den rechnerischen Kaufbetrag aus Deinen Eingaben. Er simuliert kein Orderbuch und keine Ausführung über mehrere Preisstufen. Für feste und prozentuale Sparplan-Ausführungsgebühren gibt es den Sparplan-Kostencheck.

Dein nächster Schritt: Schreibe vor dem manuellen Kauf die gewünschte Stückzahl, Deinen höchsten Preis je Anteil und die Gültigkeit auf. Prüfe dieselben Angaben in der Ordermaske. Nach dem Absenden kontrollierst Du gekauft und offen getrennt. So weißt Du, welchen Auftrag Du erteilt hast – und was tatsächlich passiert ist.

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