Zwei blaue Papierablagen mit fünf Kalenderkarten in umgekehrter Größenfolge und jeweils einer kleinen Münzschale; Symbolbild zur Renditereihenfolge
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ETF-Entnahmeplan: Warum die Reihenfolge der Renditen zählt

Du hast ein ETF-Depot aufgebaut und möchtest daraus regelmäßig Geld entnehmen. Für die Rechnung setzt du eine durchschnittliche Rendite an. Doch was passiert, wenn die schlechten Börsenjahre gleich am Anfang kommen?

Bei einem ETF-Entnahmeplan zählt auch die Reihenfolge der Renditen. Zwei Depots können dieselben Jahresrenditen erleben und nach denselben Entnahmen trotzdem unterschiedlich viel Restkapital haben. Hier kannst du diesen Zusammenhang an einem kleinen Beispiel nachvollziehen und anschließend selbst ausprobieren.

Ein ETF-Entnahmeplan in zwei Sätzen

Du nimmst regelmäßig Geld aus deinem Depot heraus, beispielsweise indem du Anteile verkaufst. Das übrige Kapital bleibt investiert und nimmt weiter an den Wertveränderungen teil. Für diesen Artikel betrachte ich einen unveränderten jährlichen Euro-Betrag, den du jeweils zu Jahresbeginn entnimmst.

Ein Aktien-ETF hat schwankende Erträge. Die Verbraucherzentrale beschreibt deshalb ausdrücklich das Risiko eines ungünstigen Börsenstarts beim ETF-Auszahlplan. Eine angenommene Durchschnittsrendite erzählt diesen Verlauf noch nicht.

Die Modellrechnung läuft jedes Jahr gleich ab
Schritt Was im Modell geschieht
Jahresbeginn Gewünschte Bruttoentnahme, höchstens vorhandenes Kapital
Danach Jahresrendite auf den verbleibenden Betrag
Jahresende Endwert wird zum Anfangswert des nächsten Jahres
Jährlicher Ablauf des gewählten Modells. Kosten, Steuern und Inflation bleiben außen vor.

Dasselbe Depot, dieselben Renditen, 2.000 Euro Unterschied

Stell dir ein Depot mit 100.000 Euro vor. Du entnimmst in meinem frei erfundenen Beispiel zu Beginn jedes Jahres 5.000 Euro. Danach wirkt die jeweilige Jahresrendite auf den verbliebenen Betrag. Steuern, Gebühren und Inflation lasse ich für diesen Vergleich weg.

Zwei hypothetische Jahre mit jeweils 5.000 Euro Anfangsentnahme
Rechenschritt Folge A: erst −20 %, dann +20 % Folge B: erst +20 %, dann −20 %
Startkapital 100.000 € 100.000 €
Nach erster Entnahme 95.000 € 95.000 €
Ende Jahr 1 76.000 € 114.000 €
Nach zweiter Entnahme 71.000 € 109.000 €
Ende Jahr 2 85.200 € 87.200 €

In beiden Fällen hast du insgesamt 10.000 Euro ausgezahlt bekommen. Die Renditen sind ebenfalls dieselben. Trotzdem verbleiben in Folge B 2.000 Euro mehr im Depot. Nach dem frühen Verlust in Folge A entnimmst du die zweiten 5.000 Euro aus einem kleineren Bestand. Auf den anschließend verbleibenden Betrag wirkt die Erholung.

Ohne Entnahmen wären aus 100.000 Euro in beiden Folgen 96.000 Euro geworden: 100.000 × 0,8 × 1,2 beziehungsweise 100.000 × 1,2 × 0,8. Auch siehst du: −20 Prozent und +20 Prozent ergeben zusammen keinen Werterhalt. Die Prozentwerte wirken jeweils auf einen anderen Betrag.

Ohne Entnahmen verändert die Reihenfolge den Endwert nicht
Rechenfall Folge A Folge B
Ohne Entnahmen 96.000 € 96.000 €
Je 5.000 € zum Jahresbeginn 85.200 € 87.200 €
Start jeweils 100.000 Euro; dieselben fiktiven Renditen −20 % und +20 %. Keine Kosten, Steuern oder Inflation.

Die 5.000 Euro sind eine gewählte Beispielzahl.

Vergleiche die Renditereihenfolge selbst

Der kostenlose Rechner vergleicht fünf fiktive Jahre. Du gibst das Startkapital, die geplante jährliche Bruttoentnahme und fünf Jahresrenditen ein. Folge A verwendet deine Eingabereihenfolge, Folge B dieselben Werte rückwärts. Das Diagramm und die Jahrestabellen zeigen, wie sich das Restkapital verändert.

Für jeden Jahresbeginn gilt: Der Rechner entnimmt höchstens das noch vorhandene Kapital und wendet danach die Jahresrendite an. Reicht das Kapital für die gewünschte Entnahme nicht, zeigt er eine Teilentnahme und den Fehlbetrag. Er nimmt dafür keinen Kredit auf.

Gleiche Renditen, andere Reihenfolge

Vergleiche fünf frei gewählte Jahresrenditen mit derselben Folge rückwärts. Zu Beginn jedes Jahres wird die gewünschte Bruttoentnahme abgezogen. Erst danach wirkt die Rendite auf das verbleibende Kapital.

Fiktives Rechenbeispiel über genau fünf Jahre. Keine Renditeprognose und keine Aussage dazu, ob ein Entnahmeplan für den Ruhestand reicht. Steuern, Inflation, Kosten und unterjährige Schwankungen bleiben außen vor.

Ohne JavaScript bleibt das vollständige Beispiel sichtbar: 100.000 € Startkapital, jährlich 6.000 € Bruttoentnahme am Jahresanfang; Renditen −20 %, 10 %, 5 %, 15 %, 8 %. Die zweite Folge verwendet diese Werte rückwärts.

Statisches Beispiel: Beide Folgen finanzieren insgesamt 30.000 € Bruttoentnahmen.

Endkapital: eingegebene Folge77.511,49 €
Endkapital: umgekehrte Folge85.875,55 €

Abstand der Endwerte: 8.364,06 €. Die umgekehrte Folge hat den höheren Endwert.

Eingegebene Folge

Tatsächlich entnommen: 30.000,00 €
Ungedeckt: 0,00 €

Kein Fehlbetrag in den fünf Jahren.

Umgekehrte Folge

Tatsächlich entnommen: 30.000,00 €
Ungedeckt: 0,00 €

Kein Fehlbetrag in den fünf Jahren.

In beiden Folgen geplant: 30.000,00 € Bruttoentnahmen über fünf Jahre. Reicht das Kapital am Jahresanfang nicht aus, wird nur der Rest entnommen. Der offene Betrag wird separat ausgewiesen; Kapital und Entnahmen werden nicht durch Schulden finanziert.

Kapital zu Beginn und an den fünf Jahresenden
Kapitalvergleich zweier Renditefolgen über fünf JahreEingegebene Folge mit durchgehender Linie und Kreisen; umgekehrte Folge mit gestrichelter Linie und Quadraten. Beide verwenden dieselbe Euroachse ab null. Exakte Rechenwerte stehen in den Tabellen und im aufklappbaren Abschnitt.0 €30.000 €60.000 €90.000 €120.000 €012345JahrEingegebene Folge, Jahr 0: 100.000 €Eingegebene Folge, Jahr 1: 75.200 €Eingegebene Folge, Jahr 2: 76.120 €Eingegebene Folge, Jahr 3: 73.626 €Eingegebene Folge, Jahr 4: 77.769,9 €Eingegebene Folge, Jahr 5: 77.511,492 €Umgekehrte Folge, Jahr 0: 100.000 €Umgekehrte Folge, Jahr 1: 101.520 €Umgekehrte Folge, Jahr 2: 109.848 €Umgekehrte Folge, Jahr 3: 109.040,4 €Umgekehrte Folge, Jahr 4: 113.344,44 €Umgekehrte Folge, Jahr 5: 85.875,552 €

Eingegebene Folge: durchgehend, KreiseUmgekehrte Folge: gestrichelt, Quadrate

Gemeinsame lineare Euroachse ab null. Jahr 0 zeigt das Startkapital vor der ersten Entnahme. Die Verbindungen zwischen Jahresendpunkten bilden keinen unterjährigen Kursverlauf ab. Alle Zahlen stehen auch in den Tabellen.

Ohne Entnahmen enden beide Folgen mathematisch beim selben Kapital: 114.760,80 €. Die Reihenfolge verändert dann das Produkt der fünf Renditefaktoren nicht.

Eingegebene Folge: Rechnung für jedes Jahr
Jahr Rendite Kapital zu Beginn Entnommen Ungedeckt Jahresende
1 −20,00 % 100.000,00 € 6.000,00 € 0,00 € 75.200,00 €
2 10,00 % 75.200,00 € 6.000,00 € 0,00 € 76.120,00 €
3 5,00 % 76.120,00 € 6.000,00 € 0,00 € 73.626,00 €
4 15,00 % 73.626,00 € 6.000,00 € 0,00 € 77.769,90 €
5 8,00 % 77.769,90 € 6.000,00 € 0,00 € 77.511,49 €
Umgekehrte Folge: Rechnung für jedes Jahr
Jahr Rendite Kapital zu Beginn Entnommen Ungedeckt Jahresende
1 8,00 % 100.000,00 € 6.000,00 € 0,00 € 101.520,00 €
2 15,00 % 101.520,00 € 6.000,00 € 0,00 € 109.848,00 €
3 5,00 % 109.848,00 € 6.000,00 € 0,00 € 109.040,40 €
4 10,00 % 109.040,40 € 6.000,00 € 0,00 € 113.344,44 €
5 −20,00 % 113.344,44 € 6.000,00 € 0,00 € 85.875,55 €
Ungerundete Rechenwerte anzeigen

Die Rechnung verwendet exakte Brüche. Nur die normale Euroanzeige wird auf Cent gerundet; positive Beträge, die sonst als null erscheinen würden, heißen „unter 0,01 €“. Rundungen einzelner Tabellenwerte können deshalb bei einer Nachrechnung auf Cent abweichen.

Endkapital eingegeben: 77.511,492 €
Endkapital umgekehrt: 85.875,552 €
Ohne Entnahmen, beide Folgen: 114.760,8 €

Eingegebene Folge: ungerundet

  1. Jahr 1: Kapital zu Beginn 100.000 €; entnommen 6.000 €; ungedeckt 0 €; nach Entnahme 94.000 €; Jahresende 75.200 €.
  2. Jahr 2: Kapital zu Beginn 75.200 €; entnommen 6.000 €; ungedeckt 0 €; nach Entnahme 69.200 €; Jahresende 76.120 €.
  3. Jahr 3: Kapital zu Beginn 76.120 €; entnommen 6.000 €; ungedeckt 0 €; nach Entnahme 70.120 €; Jahresende 73.626 €.
  4. Jahr 4: Kapital zu Beginn 73.626 €; entnommen 6.000 €; ungedeckt 0 €; nach Entnahme 67.626 €; Jahresende 77.769,9 €.
  5. Jahr 5: Kapital zu Beginn 77.769,9 €; entnommen 6.000 €; ungedeckt 0 €; nach Entnahme 71.769,9 €; Jahresende 77.511,492 €.

Umgekehrte Folge: ungerundet

  1. Jahr 1: Kapital zu Beginn 100.000 €; entnommen 6.000 €; ungedeckt 0 €; nach Entnahme 94.000 €; Jahresende 101.520 €.
  2. Jahr 2: Kapital zu Beginn 101.520 €; entnommen 6.000 €; ungedeckt 0 €; nach Entnahme 95.520 €; Jahresende 109.848 €.
  3. Jahr 3: Kapital zu Beginn 109.848 €; entnommen 6.000 €; ungedeckt 0 €; nach Entnahme 103.848 €; Jahresende 109.040,4 €.
  4. Jahr 4: Kapital zu Beginn 109.040,4 €; entnommen 6.000 €; ungedeckt 0 €; nach Entnahme 103.040,4 €; Jahresende 113.344,44 €.
  5. Jahr 5: Kapital zu Beginn 113.344,44 €; entnommen 6.000 €; ungedeckt 0 €; nach Entnahme 107.344,44 €; Jahresende 85.875,552 €.

Rechenregel pro Jahr: gewünschte Bruttoentnahme zuerst, höchstens das vorhandene Kapital. Jahresendkapital = Kapital nach Entnahme × (1 + Jahresrendite / 100). Eine Rendite von −100 % setzt den verbleibenden Bestand auf null. Der Szenarioexport wird lokal im Browser erstellt und enthält das aktuelle Beispiel mit ungerundeten Werten.

Die vorbelegten Werte: 100.000 Euro Startkapital, 6.000 Euro jährliche Anfangsentnahme und −20, +10, +5, +15, +8 Prozent. In Folge A bleiben nach fünf Jahren 77.511,49 Euro übrig, in der umgekehrten Folge 85.875,55 Euro. Beide Folgen finanzieren im Beispiel insgesamt 30.000 Euro Bruttoentnahmen. Ohne Entnahmen ergeben dieselben fünf Renditefaktoren jeweils 114.760,80 Euro.

Probiere anschließend 0 Euro Entnahme oder fünf gleiche Renditen aus. Dann verändert die Umkehrung das Ergebnis nicht. Mit anderen Eingaben kann Folge A besser, schlechter oder gleich abschneiden. Der Vergleich zeigt zwei gewählte Verläufe; er bestimmt weder den besten noch den schlechtesten möglichen Verlauf.

Was du aus dem Vergleich für deine Planung mitnehmen kannst

Die Rechnungen machen sichtbar, auf welches Kapital die nächste Rendite wirkt. Wenn du regelmäßig Geld entnimmst, können schwache Anfangsjahre den weiteren Verlauf verändern. Eine spätere Erholung wirkt dann auf den Bestand, der nach Verlusten und Entnahmen noch vorhanden ist.

Für deine eigene Planung sind deshalb mehrere Fragen relevant:

Vier Fragen für deine Entnahmeplanung
Planungsfrage Was du konkret prüfst
Welche Ausgaben bleiben fest Eine Miete lässt sich meist schwerer verschieben als eine zusätzliche Urlaubsreise. Welche Entnahmen könntest du bei Bedarf anpassen?
Wann brauchst du das Geld Ein Bedarf in fünf Jahren unterscheidet sich von einer möglichen Versorgung über mehrere Jahrzehnte. Das Fünfjahresbeispiel deckt diese lange Zeitspanne nicht ab. Wie ich diese Zeitfenster trenne, zeige ich dir im Artikel Geld in drei Zeitfenstern planen.
Wie viel soll tatsächlich verfügbar sein Die Bruttoentnahme in meinem Rechenmodell ist der Betrag, der das Depot verlässt. Deine persönliche Steuerbelastung und Transaktionskosten sind darin nicht berechnet. Erfasse dafür zuerst deine Jahreskosten und Rücklagen.
Welche Kaufkraft brauchst du später Eine unveränderte Euro-Auszahlung kann bei Inflation im Laufe der Zeit weniger kaufen.

Auch eine feste Vier-Prozent-Regel liefert keine allgemeine Zusage, dass dein Kapital reicht. Die Verbraucherzentrale erläutert die Grenzen dieser Faustformel. Eine belastbare Planung muss deine Laufzeit, Ausgaben und mögliche Änderungen berücksichtigen.

Welche Annahmen der Rechner verwendet

Das Modell betrachtet einen Depotwert in Euro und eine feste Anfangsentnahme pro Jahr. Die eingegebene Rendite beschreibt die gesamte jährliche Wertentwicklung des danach verbliebenen Kapitals. Du solltest Ausschüttungen daher nicht zusätzlich zum eingegebenen Renditewert hinzurechnen. Zusätzliche Einzahlungen und separate Ausschüttungsentnahmen werden nicht modelliert.

Steuern, Handelsgebühren, Inflation und monatliche Schwankungen sind nicht enthalten. Verwende hypothetische Renditen auf einer einheitlichen Grundlage; bereits darin enthaltene laufende Fondskosten werden nicht nochmals abgezogen. Die Verbraucherzentrale erklärt Kosten, Risiken und steuerliche Grundfragen bei Aktien-ETFs.

Das Modell rechnet innerhalb der fünf Jahre ohne Zwischenrundung; angezeigte Geldbeträge werden auf Cent gerundet. Fünf Jahre und zwei Reihenfolgen zeigen einen Mechanismus. Für deine Ruhestandsplanung brauchst du den vollständigen Entnahmezeitraum, weitere Renditeverläufe und deine tatsächlichen Kosten, Steuern und Preisannahmen.

Häufige Fragen zum Renditereihenfolgerisiko

Die Modellgrenze beim Lesen mitdenken
Im Fünfjahresmodell Für deinen eigenen Plan offen
Jährliche Anfangsentnahme Andere Entnahmezeitpunkte und Zahlungsrhythmen
Fünf frei gewählte Renditen Weitere Jahre und mögliche Verläufe
Brutto-Eurobeträge Persönliche Kosten, Steuern und Preisentwicklung

Spielt die Reihenfolge ohne Entnahmen eine Rolle?

Bei gleichem Startwert, denselben Renditefaktoren und ohne zwischenzeitliche Ein- oder Auszahlungen entsteht im Modell derselbe Endwert. Die Werte während der Jahre können sich trotzdem unterscheiden.

Warum entnimmt der Rechner zu Jahresbeginn?

Damit du jeden Schritt nachrechnen kannst: erst Entnahme, dann Rendite auf den Rest. Entnahmen am Jahresende oder jeden Monat ergeben andere Zahlen. Andere Auszahlungstermine musst du mit ihrem tatsächlichen Rhythmus durchrechnen.

Kann ich aus dem Ergebnis eine monatliche Auszahlung ableiten?

Du kannst eine jährliche Wunschsumme eingeben. Der Rechner untersucht aber keine monatlichen Renditen oder Verkäufe. Das Teilen durch zwölf ersetzt daher keine monatliche Entnahmeplanung.

Wo kann ich die Grundlagen nachlesen?

Wenn du die Bausteine genauer verstehen möchtest, lies meine ETF-Grundlagen, die Erklärung zur Volatilität und den Unterschied zwischen Ausschüttung und Gesamtergebnis im REIT-Artikel. Weitere Arbeitsblätter findest du bei den kostenlosen Downloads.

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