Mehr Geld, weniger Kaufkraft: Was bleibt von deinen Zinsen?

Du bekommst Zinsen, dein Kontostand steigt — und trotzdem reicht das Geld später für weniger. Das klingt widersprüchlich, lässt sich aber mit zwei Blickwinkeln erklären: Wie viele Euro hast du? Und: Was kannst du dafür kaufen?
Der erste Blick ist nominal, der zweite berücksichtigt die Preisentwicklung. Hier rechne ich den Unterschied mit einem erfundenen Beispiel durch.
Nominal: Was steht auf deinem Konto?
Angenommen, du legst 10.000 € für genau ein Jahr zu 2 % Zinsen an. Es gibt in meinem Beispiel keine Gebühren, Steuern, zusätzlichen Einzahlungen oder Auszahlungen. Die Zinsen werden am Jahresende gutgeschrieben.
Dann erhältst du 200 € Zinsen. Dein Kontostand beträgt anschließend 10.200 €. Nominal hast du 2 % mehr Geld. Diese Rechnung beschreibt den Geldbetrag, aber noch nicht, ob du damit mehr Waren oder Dienstleistungen bezahlen kannst.
Real: Was kannst du dir damit leisten?
Stell dir einen gleichbleibenden Warenkorb vor, der am Anfang 10.000 € kostet. Seine Preise steigen im selben Jahr um 3 %. Für exakt dieselben Dinge brauchst du am Ende 10.300 €.
| Größe | Am Anfang | Nach einem Jahr |
|---|---|---|
| Kontostand bei 2 % Zinsen | 10.000 € | 10.200 € |
| Gleicher Warenkorb bei 3 % Teuerung | 10.000 € | 10.300 € |
| Abstand zum Warenkorb | 0 € | −100 € |
Auf deinem Konto liegen aber nur 10.200 €. Dir fehlen 100 €, um diesen Warenkorb vollständig zu bezahlen. Der nominale Zinsgewinn hat die angenommene Teuerung also nicht ausgeglichen.
Die Europäische Zentralbank erklärt Nominal- und Realzins anhand dieses Unterschieds zwischen Geldbetrag und Kaufkraft.

Die schnelle Schätzung und die genaue Rechnung
Für einen ersten Überblick kannst du die Inflationsrate vom Nominalzins abziehen. Im Beispiel ergibt das 2 % minus 3 %, also ungefähr −1 %. Diese Näherung ist bei kleinen Raten praktisch.
Wenn du den Kaufkraftunterschied für denselben Zeitraum genau berechnen möchtest, vergleichst du die beiden Veränderungsfaktoren:
Reale Veränderung = (1 + nominale Veränderung) / (1 + Teuerung) − 1
Mit diesen Zahlen ergibt sich 1,02 / 1,03 − 1 = ungefähr −0,97 %. Das Konto wächst, während seine Kaufkraft gemessen an diesem Warenkorb um rund 0,97 % sinkt.
Anders ausgedrückt: Die 10.200 € am Jahresende entsprechen bei dieser Preisentwicklung etwa 9.902,91 € zu Preisen vom Jahresanfang. Der Kaufkraftverlust beträgt damit rund 97,09 € in Anfangspreisen. Die oben genannten 100 € sind dagegen die fehlende Zahlung für den teureren Warenkorb am Jahresende. Beide Beträge verwenden unterschiedliche Preisstände.
| Perspektive | Rechnung | Fehlbetrag |
|---|---|---|
| Zahlung zum Jahresende | 10.300 € − 10.200 € | 100,00 € |
| Kaufkraft in Anfangspreisen | 10.000 € − (10.200 € ÷ 1,03) | ≈ 97,09 € |
Welche Inflation passt zu deiner Rechnung?
Eine veröffentlichte Inflationsrate beschreibt die Preisentwicklung eines bestimmten Warenkorbs. Deine persönlichen Ausgaben können anders verteilt sein. Wer einen großen Teil seines Budgets für Wohnen ausgibt, hat andere Schwerpunkte als jemand mit hohen Fahrtkosten.
Destatis erklärt, warum sich die persönliche Inflationsrate von der allgemeinen unterscheiden kann. Für eine konkrete Planung hilft es deshalb, die Ausgaben zu betrachten, für die du das Geld später tatsächlich brauchst.
Vergleiche außerdem dieselbe Währung und denselben Zeitraum. Ein Jahreszins und die Teuerung eines einzelnen Monats beantworten nicht dieselbe Frage.
Bedeutet das, dass du dein Geld anders anlegen musst?
| Vergleichspunkt | Deine Frage |
|---|---|
| Zeitraum | Beschreiben Zins und Preisannahme dieselbe Dauer? |
| Warenkorb | Geht es um die Ausgaben, die du später brauchst? |
| Währung | Sind beide Beträge in derselben Währung? |
Ein Kaufkraftverlust allein sagt noch nicht, welche Anlage zu dir passt. Wenn du Geld bald für eine Rechnung brauchst, ist seine rechtzeitige Verfügbarkeit ein wichtiges Ziel. Für langfristige Ziele sind zusätzlich mögliche Wertentwicklung, Kosten und Verlustrisiken relevant.
Eine höhere erhoffte Rendite ist keine Zusage, dass du später mehr Kaufkraft hast. Auch ein ETF kann fallen. Deine Planung sollte den Zweck des Geldes berücksichtigen, nicht nur einen Zinssatz oder eine Renditeannahme.
So prüfst du deine eigene Rechnung
- Notiere den Anfangsbetrag und den Zeitraum, über den du vergleichen möchtest.
- Berechne den nominalen Endbetrag. Prüfe separat, welche Gebühren und Steuern für deine tatsächliche Situation hinzukommen.
- Wähle eine begründete Preisannahme für denselben Zeitraum. Markiere sie als Annahme, wenn sie die Zukunft betrifft.
- Teile den nominalen Endbetrag durch den angenommenen Preisfaktor. Vergleiche das Ergebnis mit deinem Anfangsbetrag.
Wenn du bei ETF-Sparplänen zusätzlich die Gebühren prüfen möchtest, findest du den kostenlosen Sparplankosten-Check. Weitere Vorlagen gibt es bei den kostenlosen Downloads.


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