ETF-Dopplungen: Warum zwei ETFs nicht automatisch mehr Streuung bedeuten
Du hast einen ETF im Depot und entdeckst einen zweiten mit einem anderen Namen. Mehr Fonds, mehr Unternehmen, mehr Streuung – klingt zunächst schlüssig. Doch beide können zu einem großen Teil dieselben Aktien abbilden. Dann verteilst Du Dein Geld auf zwei Verpackungen, während sich die wirtschaftlichen Risiken dahinter ähneln. Mit einem einfachen Blick auf die Gewichte erkennst Du, was der zusätzliche Fonds tatsächlich verändert.

Warum der zweite Name wenig verrät
Ein ETF bündelt Anlagen in einem Fonds. Viele ETFs bilden einen Index nach; es gibt auch aktiv verwaltete ETFs. Bei einem Index-ETF steht deshalb zuerst die Frage im Raum: Welchen Markt soll dieser Index abbilden? Die Deutsche Börse beschreibt passive und aktive ETFs.
Zwei Anbieter können Fonds auf denselben Index auflegen. Auch zwei unterschiedlich benannte Indizes können gemeinsame Unternehmen enthalten. Der Produktname allein beantwortet daher nicht, ob Du neue wirtschaftliche Risiken hinzunimmst oder vorhandene stärker gewichtest. Schaue auf die Inhalte und ihre Anteile.
| Prüfpunkt | Was du nachsiehst |
|---|---|
| Aufgabe / Zielindex | Welcher Markt? |
| Gemeinsame Positionen | Welche Unternehmen? |
| Gewichte | Wie viel Anteil? |
| Datenstand | Von wann? |
Diversifikation soll Risiken über unterschiedliche Anlagen verteilen. Ein eng gefasster Branchenfonds erfüllt diesen Zweck anders als ein Fonds mit vielen Branchen. Die SIX erklärt, wie Streuung über verschiedene Unternehmen, Anlageklassen und Branchen Risiken verteilen kann. Prüfe deshalb, ob Deine Fonds dieselben großen Positionen enthalten. Die Anzahl der ETFs genügt als Maßstab also nicht.
Zweimal 10.000 €: So entsteht ein gemeinsames Gewicht
Nehmen wir zwei erfundene Aktienfonds, A und B. In jedem liegen 10.000 €, insgesamt also 20.000 €. Die folgenden Unternehmen und Gewichte sind frei gewählt. Das Beispiel vereinfacht die Beteiligungen rechnerisch und beschreibt keine realen Produkte.
| Erfundene Position | Fonds A | Fonds B | Gesamtes Depot |
|---|---|---|---|
| Unternehmen Blau | 8 % | 12 % | 10 % |
| Unternehmen Grün | 6 % | 9 % | 7,5 % |
| Unternehmen Orange | 4 % | 6 % | 5 % |
Für Unternehmen Blau rechnest Du: 10.000 € × 8 % = 800 € aus Fonds A. Hinzu kommen 10.000 € × 12 % = 1.200 € aus Fonds B. Zusammen sind das 2.000 €. Bezogen auf das gesamte Depot ergibt sich 2.000 € ÷ 20.000 € = 10 %.
Die drei gezeigten Unternehmen machen zusammen 22,5 % beziehungsweise 4.500 € des Depots aus. Die übrigen Positionen fehlen bewusst in der Tabelle. Ob das ganze Depot gut gestreut ist, lässt sich daraus noch nicht beurteilen.
Das Beispiel zeigt außerdem: Verglichen mit Fonds A allein steigt das Gewicht von Unternehmen Blau von 8 auf 10 %. Verglichen mit Fonds B allein sinkt es von 12 auf 10 %. Eine Überschneidung ist somit nicht automatisch gut oder schlecht. Ihre Wirkung hängt von Deiner Ausgangslage und Deiner Aufteilung ab.
Die beiden Fondsgewichte einfach zu mitteln funktioniert hier nur, weil in jedem Fonds gleich viel Geld liegt. Bei 15.000 € in A und 5.000 € in B entfielen rechnerisch 1.200 € plus 600 € auf Unternehmen Blau. Das wären 1.800 € beziehungsweise 9 % des Gesamtdepots. Für Deinen Check zählen die betrachteten aktuellen Fondswerte, nicht allein die ursprünglich eingezahlten Beträge.
| Verteilung A / B | Blau in Euro | Blau im Gesamtdepot |
|---|---|---|
| 10.000 € / 10.000 € | 800 € + 1.200 € = 2.000 € | 10 % |
| 15.000 € / 5.000 € | 1.200 € + 600 € = 1.800 € | 9 % |

Dein Überschneidungscheck in vier Schritten
- Aufgabe aufschreiben: Was soll jeder Fonds abdecken? Eine Region, eine Branche, einen breiten Markt oder eine andere Anlageklasse? Formuliere für jeden Fonds einen Satz.
- Unterlagen vergleichen: Nutze die aktuellen Informationen des jeweiligen Anbieters. Notiere Zielindex, größte Positionen, Länder und Branchen samt Datenstand. Zehn Positionen sind ein Einstieg, keine vollständige Überschneidungsanalyse.
- Mit Deinem Depotanteil gewichten: Multipliziere den Anteil eines Unternehmens im Fonds mit dem Anteil des Fonds an Deinem betrachteten Depot. Addiere anschließend die Beiträge aller Fonds.
- Ergebnis erklären: Was kommt hinzu? Was wird stärker gewichtet? Kannst Du die Veränderung nicht benennen, liefert der zusätzliche Produktname noch keine ausreichende Begründung.
Bei der Nachbildung gibt es eine Besonderheit: Synthetische ETFs nutzen eine Swap-Vereinbarung, um die Indexentwicklung abzubilden. Ihre gehaltenen Wertpapiere können deshalb von den Indexunternehmen abweichen. Für den Vergleich des abgebildeten Aktienmarktrisikos musst Du dann den Zielindex berücksichtigen; eine Bestandsliste allein reicht dafür nicht. Die österreichische Finanzmarktaufsicht erklärt die Arten der Indexnachbildung. Unser vereinfachtes Rechenbeispiel unterstellt direkte Beteiligungen.
| Unterlagen | Deine Frage |
|---|---|
| Zielindex | Welche Aktienmarktrisiken werden abgebildet? |
| Bestandsliste | Welche Wertpapiere hält der Fonds tatsächlich? |
| Nachbildung | Direkte Beteiligungen oder Swap-Vereinbarung? |
Was dieser Check leisten kann
Der Check macht sichtbar, welchen Unternehmen, Ländern oder Branchen Du mehrfach ausgesetzt sein könntest. Er berechnet keine optimale Fondsanzahl und sagt keine künftige Rendite voraus. Selbst unterschiedliche Positionen können gemeinsam an Wert verlieren. Streuung beseitigt nicht alle Anlagerisiken; mehr dazu findest Du in der SIX-Erklärung zu Diversifikation und verbleibenden Marktrisiken.
| Vergleich | Frage |
|---|---|
| Unternehmen | Welche Positionen kommen hinzu oder werden schwerer? |
| Länder und Branchen | Welche bisherigen Schwerpunkte ändern sich? |
| Nachbildung | Vergleichst du Bestand oder abgebildeten Zielindex? |
| Gesamtgewicht | Wie hoch ist der Beitrag zum ganzen Depot? |
Falls Du Begriffe wie Index oder Fondsanteil noch einordnen möchtest, lies zuerst unsere ETF-Grundlagen für Anfänger. Für eine neue Sparrate gehört anschließend auch ein Vergleich der Sparplankosten dazu. Deine praktische Aufgabe für heute: Wähle eine gemeinsame Position aus zwei Fonds und rechne ihr Gesamtgewicht aus. Diese eine Zahl erklärt oft mehr als die Zahl der Fondsnamen.


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