Titelgrafik: Was steckt in Deinem Depot?

Asset Allocation berechnen: Was steckt wirklich in Deinen Fonds?

Deine Asset Allocation berechnest Du aus den Werten der enthaltenen Anlageklassen, nicht aus der Zahl Deiner Fonds. Hältst Du Aktien, einen Aktien-ETF und einen Mischfonds, steckt in allen drei Positionen möglicherweise Aktienvermögen. Der Mischfonds muss deshalb für die Rechnung in seine Bestandteile zerlegt werden.

Ich zeige Dir das an einem erfundenen Depot mit 50.000 Euro. Die Produktliste sieht zunächst nach fünf verschiedenen Bausteinen aus. Nach dem Blick in die Fonds liegen jedoch 72 Prozent in Aktien, 17 Prozent in Anleihen und 11 Prozent in Liquidität. So machst Du aus Fondsnamen eine überprüfbare Aufteilung.

Was bedeutet Asset Allocation?

Asset Allocation heißt, dass Du Dein Anlagevermögen auf Anlageklassen verteilst. Für eine Bestandsaufnahme berechnest Du zunächst die tatsächlichen Gewichte. Eine spätere Zielaufteilung ist eine eigene Entscheidung, die unter anderem zu Deinem Geldbedarf und Deinen tragbaren Risiken passen muss.

Trenne die Anlage vom Produkt, in dem Du sie hältst
Position Zuordnung für die Bestandsaufnahme
Einzelaktie Aktienvermögen: Beteiligung an einem Unternehmen.
Anleihe Anleihevermögen: Forderung gegenüber dem Herausgeber.
Aktienfonds oder Aktien-ETF Die enthaltenen Aktien gehören zum Aktienvermögen; andere ausgewiesene Bestandteile erfasst Du zusätzlich.
Mischfonds Auf die tatsächlich enthaltenen Anlageklassen verteilen.
Kontoguthaben Liquidität innerhalb des von Dir festgelegten Anlagevermögens.

ETF ist keine zusätzliche Anlageklasse neben Aktien und Anleihen. Der Fonds kann Zugang zu diesen Anlagen bieten. Ein konkretes Beispiel liefert die deutschsprachige Produktbeschreibung des Vanguard LifeStrategy 60%-ETF: Seine Anlagepolitik nennt ungefähr 60 Prozent Aktien und 40 Prozent festverzinsliche Wertpapiere, vorwiegend über Zielfonds.

Wenn Du die Anlagen selbst erst kennenlernen möchtest, hilft Dir mein Überblick zur Auswahl von Anlageklassen. Hier geht es um die anschließende Rechenfrage: Was hältst Du schon, und wie groß sind die einzelnen Bestandteile?

Schritt 1: Grenze und Stichtag festlegen

Entscheide zuerst, welche Beträge zur Rechnung gehören. Im Beispiel betrachte ich ein Wertpapierdepot einschließlich der dazugehörigen 5.000 Euro auf dem Verrechnungskonto. Eine private Notfallreserve außerhalb dieser Anlageplanung bleibt außerhalb der Beispielsumme.

Verwende die aktuellen Marktwerte zu einem gemeinsamen Stichtag, nicht die ursprünglichen Kaufbeträge. Sonst siehst Du Deine alte Einzahlungsmischung statt der heutigen Aufteilung. Rechne alle Werte in dieselbe Währung um. Notiere bei Fonds außerdem den Stichtag der verwendeten Zusammensetzung; eine ältere Bestandsliste ist eine Näherung für die heutige Verteilung.

Fiktives Anlagevermögen: fünf Positionen, insgesamt 50.000 Euro
Position Marktwert Anteil am Gesamtwert
Direkte Aktien 10.000 € 20 %
Aktienfonds 20.000 € 40 %
Mischfonds 10.000 € 20 %
Anleihenfonds 5.000 € 10 %
Kontoguthaben 5.000 € 10 %
Summe 50.000 € 100 %

Schritt 2: Den Mischfonds zerlegen

Für das Modell setze ich den Aktienfonds vollständig als Aktien und den Anleihenfonds vollständig als Anleihen an. Der erfundene Mischfonds hält 60 Prozent Aktien, 35 Prozent Anleihen und 5 Prozent Liquidität.

Die Rechnung pro Bestandteil lautet: Wert Deiner Fondsposition × Gewicht der Anlageklasse im Fonds. Aus 10.000 Euro Mischfonds werden deshalb 6.000 Euro Aktien, 3.500 Euro Anleihen und 500 Euro Liquidität.

Die Produktpositionen auf ihre Anlageklassen verteilen
Position Aktien Anleihen Liquidität
Direkte Aktien 10.000 € 0 € 0 €
Aktienfonds 20.000 € 0 € 0 €
Mischfonds 6.000 € 3.500 € 500 €
Anleihenfonds 0 € 5.000 € 0 €
Kontoguthaben 0 € 0 € 5.000 €
Summe 36.000 € 8.500 € 5.500 €

Die Mischfondsposition selbst addierst Du danach nicht noch einmal. Ihre 10.000 Euro wurden bereits vollständig auf die drei Spalten verteilt. Würdest Du zusätzlich eine eigene Kategorie „Mischfonds“ mit 10.000 Euro führen, zähltest Du dasselbe Geld doppelt.

Vom Produktbestand zur tatsächlichen Aufteilung: 50.000 Euro bestehen nach Fondszerlegung aus 36.000 Euro Aktien, 8.500 Euro Anleihen und 5.500 Euro Liquidität.
Der Mischfonds verteilt 10.000 Euro auf 6.000 Euro Aktien, 3.500 Euro Anleihen und 500 Euro Liquidität. Zusammen ergeben die enthaltenen Klassen 72 %, 17 % und 11 %.

Schritt 3: Die tatsächlichen Gewichte berechnen

Teile jetzt jede Klassensumme durch die 50.000 Euro Gesamtvermögen. Der Aktienanteil beträgt 36.000 ÷ 50.000 × 100 = 72 Prozent. Für Anleihen ergeben sich 17 Prozent und für Liquidität 11 Prozent. Als Kontrolle müssen sowohl die Eurobeträge als auch die Prozentanteile wieder die Gesamtsumme ergeben.

Ergebnis der Bestandsaufnahme
Anlageklasse Wert Gewicht
Aktien 36.000 € 72 %
Anleihen 8.500 € 17 %
Liquidität 5.500 € 11 %
Kontrollsumme 50.000 € 100 %

Die 72 Prozent beantworten eine Mengenfrage. Sie sagen noch nicht, welche Aktien enthalten sind oder wie sich das gesamte Depot künftig entwickeln wird. Zwei Depots mit demselben Aktienanteil können sich bei Unternehmen, Ländern und Branchen deutlich unterscheiden. Für diesen nächsten Blick findest Du ein eigenes Beispiel zu gemeinsamen Positionen in mehreren ETFs.

Was tun, wenn ein Fonds andere Fonds hält?

Dann gehst Du eine Ebene tiefer. Im folgenden separaten Beispiel hältst Du 10.000 Euro in Fonds A. Dieser investiert 50 Prozent in Fonds B und 50 Prozent direkt in Anleihen. Fonds B enthält wiederum 80 Prozent Aktien und 20 Prozent Anleihen.

Der Aktienbetrag über Fonds B beträgt 10.000 × 0,50 × 0,80 = 4.000 Euro. Über diesen Weg kommen außerdem 1.000 Euro Anleihen dazu. Zusammen mit den 5.000 Euro direkt gehaltenen Anleihen von Fonds A ergibt das 4.000 Euro Aktien und 6.000 Euro Anleihen.

Fonds A hat 10.000 Euro: 5.000 Euro in Fonds B mit 4.000 Euro Aktien und 1.000 Euro Anleihen, außerdem 5.000 Euro direkte Anleihen.
10.000 € × 50 % × 80 % = 4.000 € Aktien. 1.000 € indirekte und 5.000 € direkte Anleihen ergeben 6.000 € Anleihen.
Separates Modell mit zwei Fondsebenen
Weg durch die Fonds Ergebnis
A → B → Aktien 10.000 € × 50 % × 80 % = 4.000 €
A → B → Anleihen 10.000 € × 50 % × 20 % = 1.000 €
A → direkte Anleihen 10.000 € × 50 % = 5.000 €
Kontrollsumme 4.000 € + 1.000 € + 5.000 € = 10.000 €

Multipliziere die Gewichte entlang jedes Weges und addiere am Ende nach Anlageklasse. Das funktioniert für dieses einfache Modell ohne Hebel oder Derivate. Bei komplexeren Strategien können eine Liste der gehaltenen Wertpapiere und die wirtschaftlichen Marktpositionen auseinanderfallen. Kennzeichne solche Positionen zunächst als ungeklärt, statt eine genaue Aufteilung zu erfinden.

Immobilien, Gold und ungeklärte Positionen einordnen

Du kannst weitere Klassen ergänzen, wenn sie in Dein betrachtetes Anlagevermögen gehören. Lege die Zuordnung vorher fest: Eine Aktie eines Goldförderers bleibt in dieser Bestandsrechnung eine Aktie. Sie ist kein Goldbarren. Auch eine Immobilienaktie hältst Du als Unternehmensbeteiligung; für eine zusätzliche Analyse von Branchenabhängigkeiten kannst Du ihren Immobilienbezug gesondert betrachten.

Die letzten Kontrollen vor Deiner eigenen Rechnung
Prüfpunkt Was Du festhältst
Grenze Welche Depots und Guthaben sind enthalten? Gehört eine Immobilie zu dieser Betrachtung oder zu einer getrennten Vermögensübersicht?
Dokumentation Quelle und Stichtag der Fondsaufteilung.
Restbeträge Liquidität, sonstige Anlagen und ungeklärte Bestandteile sichtbar lassen.
Doppelzählung Entweder Fondsposition oder zerlegte Bestandteile summieren, niemals beides.
Zielentscheidung Die errechneten Gewichte sind eine Bestandsaufnahme und keine automatisch passende Zielaufteilung.

Erfasse jetzt die Marktwerte Deiner Positionen und zerlege zunächst einen Mischfonds. Prüfe die Kontrollsumme. Erst mit dieser Bestandsaufnahme kannst Du sinnvoll entscheiden, ob Deine tatsächliche Aufteilung zu Deinem Plan passt. Falls der Plan noch fehlt, beginne bei Geldbedarf, Reserve und langfristiger Anlage.

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